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  Keine Macht den Drogen
 

Drogen - Die Probleme nehmen zu

Drogen machen heutzutage in der Öffentlichkeit viel von sich reden. Man blättert kaum eine Zeitung oder ein Nachrichtenmagazin durch, in dem nicht auf Drogenprobleme eingegangen wird. Ein Diplomat wird gefasst, als er Drogen in ein Land schleust. Ein führender Politiker wird wegen seiner Rolle im Drogenschmuggel angeprangert. Ein prominenter Sportler muss eine Entziehungskur machen. Drogenfahnder durchsuchen ein Flugzeug oder ein Schiff und entdecken eine riesige Ladung Rauschgift. Ein bekannter Unterhaltungskünstler stirbt an einer Überdosis Drogen. Ein Lokomotivführer, der in ein Zugunglück verwickelt ist, steht, wie sich herausstellt, unter Drogeneinwirkung. Ein Politiker macht die Drogenbekämpfung zu einem Hauptpunkt seiner Kampagne. Man könnte die Liste endlos weiterführen.
 
Das Drogenproblem ist dermaßen angewachsen, dass sich vergangenes Jahr 24 Staaten zur Drogenbekämpfung zusammenschlossen. Sie „vernichteten 5046 Tonnen Kokablätter und 17585 Tonnen Marihuanapflanzen“, schreibt das Magazin U.S.News & World Report. „Dennoch ist das [US-Außenministerium der Meinung, dass die derzeitigen Bekämpfungsprogramme unzureichend sind ‚in dem Bemühen, die weltweit vorhandene Rauschgiftmenge zu vermindern‘.“
Beschlagnahmungen von Drogen, Festnahmen und Verurteilungen haben zugenommen, aber auch die Vorräte an illegalen Drogen sind größer geworden. Nur ein kleiner Teil der vorhandenen Drogenmenge wird gefunden und beschlagnahmt, und vielerorts sind Drogen leichter erhältlich denn je. Trotz vereinter Anstrengungen im Jahre 1986, Kokainlabors auszuheben, ist die Produktion von Kokain aus Kokablättern in Bolivien, Kolumbien und Peru von 1986 bis 1987 um 10 Prozent angestiegen. Das Kokain, das heute auf der Straße verkauft wird, ist weitaus reiner als zuvor, und die Preise sind gesunken — was auf ein erhöhtes Angebot hindeutet.
 
„In den Vereinigten Staaten ist von allen Industrieländern der Welt der Drogenmissbrauch unter jungen Leuten am höchsten, und Jugendliche beginnen früher, Drogen zu nehmen, als je zuvor“, berichtet Behavior Today. Eine Umfrage ergab, dass über die Hälfte aller High-School-Abgänger nach eigenen Angaben schon einmal eine illegale Droge ausprobiert haben und dass dieser hohe Anteil bei den Mittzwanzigern sogar auf etwa 80 Prozent ansteigt. In den Vereinigten Staaten gibt es nun schätzungsweise 1,2 Millionen Drogenabhängige, und 23 Millionen weitere nehmen „gelegentlich“ Drogen.

Auch andere Länder sind von der Drogenepidemie nicht ausgenommen. Die sowjetische Zeitung Prawda zitierte Innenminister Alexander Wlassow wie folgt: „Der Kampf gegen Drogenabhängigkeit und die damit verbundene Kriminalität ist eine der vorrangigsten Aufgaben des Innenministeriums geworden.“ Wie die Zeitschrift Soviet Weekly meldet, wurde „im Laufe der vergangenen zwei Jahre gegen 80000 Sowjetbürger Anklage wegen Drogendelikten erhoben“, und obwohl Süchtige behandelt werden, „ist das Problem nach wie vor groß, da 131000 Drogenabhängige erfasst sind“.
 
In Ungarn soll es 30000 bis 50000 Drogenabhängige geben. In Polen rechnet man mit 200000 bis 600000 Süchtigen und Gebrauchern von harten Drogen - überwiegend junge Leute unter 25 Jahren. In Pakistan schätzt man, dass es annähernd 313000 Opiumsüchtige und 150000 Heroinsüchtige gibt. Sir Jack Stewart Clark, Mitglied des Europäischen Parlaments, hat vorausgesagt, dass die Zahl der Kokainabhängigen in Westeuropa Mitte der 90er Jahre drei bis vier Millionen erreichen könnte. In Spanien gibt es bereits schätzungsweise 60000 bis 80000 Kokainabhängige.
 

 

 

Das Drogenproblem hat derartige Ausmaße angenommen, dass gemäß einer Studie der Vereinten Nationen der Punkt erreicht ist, an dem die „Sicherheit einiger Staaten“ gefährdet ist.
Warum stehen Drogen so sehr im Rampenlicht? Warum nehmen Menschen überhaupt Drogen? Warum versagen umfassende Anstrengungen, das zunehmende Drogenproblem einzudämmen? Was kann getan werden, um der wachsenden Gefahr Einhalt zu gebieten?
 

Drogen - wirklich gefährlich?

 

Alle Drogen sind gefährlich. Eine Droge - ob Medikament oder Rauschmittel - ist eine Substanz, die aufgrund ihrer chemischen Natur die Struktur oder die Funktion eines lebenden Organismus verändert. Diese „verändernde“ Wirkung ist das Gefährliche.
 

 

Die Drogen, von denen hier die Rede ist, sind Substanzen, die sich auf die Stimmung, das Wahrnehmungsvermögen und das Bewusstsein auswirken. Gemäß dieser Definition enthalten eine ganze Anzahl Dinge, die allgemein im Gebrauch sind, Drogen, wie z. B. Kaffee, bestimmte Teesorten, Cola-Getränke und alkoholische Getränke, obwohl man sie im allgemeinen nicht für Drogen hält. Die Droge in den ersten drei Getränken ist das Koffein und die in dem letztgenannten ist der Äthylalkohol. Mäßig genossen, sind diese Getränke nicht schädlich. Sie können sogar einen Nährwert haben und unter Umständen von gesundheitlichem Nutzen sein.  
Der Gebrauch von Drogen kann aber zu schwerwiegenden Problemen führen.
 
Natürlich werden einige Drogen als Heilmittel benutzt oder um bei Krankheiten oder chirurgischen Eingriffen die Schmerzen zu stillen. Kommt es bei solchen Drogen, die medizinischen Zwecken dienen, zu missbräuchlichen Anwendungen? Gewiss. Zum Beispiel kommt es oft zum Missbrauch von Tranquilizern (Beruhigungsmitteln) und Antibiotika, weil diese von einigen Ärzten wahllos verschrieben werden. Doch auch rezeptfreie Medikamente wie Schmerz- und Schlafmittel werden im Übermaß genommen, und auch das ist schädlich und gefährlich. 
Im allgemeinen jedoch besteht ein Unterschied zwischen der medizinischen Verwendung von Drogen und dem Drogengebrauch durch Personen, die ganz andere Ziele verfolgen und ganz andere Beweggründe haben. Auch die Auswirkungen sind gewöhnlich ganz anders.
Betrachten wir einmal, was mit denen geschieht, die aus irgendeinem Grund Drogen missbrauchen. Beachte sorgfältig, wozu selbst kurzzeitiger Missbrauch führt. Frage dich: Sind die Gefahren für Gesundheit und Leben nicht realistisch?
 
Unter dem Einfluss von Drogen verlieren viele Menschen das Leben. In dem Buch Mind Drugs wird der Fall eines jungen Mädchens erzählt, das nach der Einnahme von LSD an einer felsigen Küste in den Tod sprang, weil ihr das Meer unter ihr wie ein Seidenschal erschien. Dann gab es Jugendliche, die auf einer Hauptverkehrsstraße mit dem Verkehr „eins werden“ wollten. Und ein Student konnte gerade noch daran gehindert werden, aus dem Fenster zu springen, weil er sich einbildete, er könne jetzt fliegen. Es gibt unzählige Berichte von Personen, die unter dem Einfluss von PCP oder LSD Selbstmord begingen oder schreckliche Verbrechen verübten.
Man stelle sich nur die Stärke von LSD vor: Ein Gramm würde ausreichen, um 10 000 Menschen in einen Rausch zu versetzen. „Dem Gewicht nach ist es 3 000 000mal so stark wie reines Marihuana“, heißt es in dem Buch Mind Drugs.
Zu den direkten Auswirkungen der Drogen kommt das Problem, dass sie oft mit Nichtsterilisierten Nadeln gespritzt werden. Die Folgen sind Tetanus, Venenentzündung, Hepatitis und Entzündung der Herzwände und -klappen. Außerdem wird jemand, der drogensüchtig oder abhängig wird, auf der Suche nach weiteren Drogen in die Gesellschaft krimineller Elemente und in gefährliche Gegenden geraten. All das stellt eine Gefahr für Gesundheit und Leben dar.

Wie stehen deine Überlebenschancen im Autoverkehr, wo heute so viele unter dem schädlichen Einfluss von Drogen fahren? Wie wäre dir zumute, wenn du wüsstest, dass bei Nacht in einem entgegenkommenden Fahrzeug ein junges Mädchen sitzt, das aufgrund der Nachwirkungen einer Droge, die sie irgendwann einmal genommen hat, jetzt plötzlich tausend Scheinwerferpaare vor sich sieht und nicht weiß, welches das richtige ist? In ihrem Fall lösen die Scheinwerfer die Nachwirkungen der Droge aus.
Und fühlst du dich wohl im Straßenverkehr, wenn du weißt, dass Marihuanagenuss die Fähigkeit, Entfernungen und Zeit abzuschätzen, beeinträchtigt, dass es Koordinationsstörungen hervorruft und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, beeinträchtigt? Was würde das für dich und deine Familie bedeuten, wenn du auf einer verkehrsreichen Straße unterwegs wärest? Gefährlich? Ohne Zweifel!
 
Stell dir auch vor, welch eine Gefahr Drogenkonsumenten am Arbeitsplatz darstellen. Bedenke nur, wie lebensgefährlich es ist, wenn Personen, die benommen sind, die die Gewalt über sich verloren haben oder Sehstörungen und Halluzinationen haben, an Schnelllaufenden Maschinen arbeiten, Kräne bedienen, schwere Gegenstände transportieren oder mit gefährlichen Flüssigkeiten und Explosivstoffen umgehen! Sie bringen ihr eigenes Leben und das ihrer Arbeitskollegen in Gefahr. Haben Menschen das Recht, so das Leben anderer zu gefährden? Dieses relativ neue Sicherheitsproblem bereitet Arbeitgebern und Werksärzten in großen Fabriken ernste Sorgen. Kein Wunder, dass einige Firmen sich bei Stellungssuchenden erkundigen, ob sie schon einmal Drogen genommen haben.
Einige argumentieren, sie würden bessere Arbeit leisten, weil sie Drogen nähmen, die ihr Bewusstsein und ihre Kreativität steigerten. Doch die Tatsachen zeigen etwas anderes. Nehmen wir den Fall eines Mannes, der ein erfolgreicher internationaler Rechtsanwalt war. Nachdem er LSD genommen hatte, wanderte er monatelang in der Wüste umher und dachte über sein „Erlebnis“ und dessen Bedeutung nach.
 

 

In einem Ärztebericht für Unternehmer über die Probleme des zunehmenden Marihuanarauchens hieß es: „Marihuanagenuss wirkt sich nachteilig auf die Ausführung anspruchsvoller Arbeiten aus. Der Konsument ist häufig lethargisch und ohne Arbeitslust, ist anfällig für Irrtümer, hat Schwierigkeiten, sich an wichtige Einzelheiten zu erinnern, und kann nicht logisch über die Zukunft denken.“ Wie kann etwas, was das Wahrnehmungsvermögen beeinträchtigt, für das Gehirn eine Hilfe sein?
Ein anderer Arzt berichtet über die Wandlung, die in einem einstmals aufgeweckten Studenten vor sich ging, der im Begriff war, seinen Dr. jur. und seinen Dr. phil. zu erwerben. Seine Wandlung wurde durch Marihuana bewirkt.
Mit der Zeit wurde sein Verstand getrübt, und er konnte sich nur noch schwer auf seine Arbeit konzentrieren, und er hatte auch Schwierigkeiten, eine Arbeit zu Ende zu bringen. Später traten feindselige Reaktionen auf, und er wurde argwöhnisch. Kurze Zeit später fanden er und zwei Begleiter den Tod, als das Sportflugzeug, das er steuerte, abstürzte.
Über Kokain heißt es in einem Bericht der Zeitschrift Psychology Today, es vermittle oft das „trügerische Gefühl gesteigerter intellektueller und physischer Fähigkeiten“. Weiter heißt es: „Die vom Kokain verursachte Euphorie und Zuversicht kann bewirken, dass der Konsument der Droge Wirkungen zuschreibt, die gar nichts damit zu tun haben, und dass er die Veränderungen, die sie hervorruft, überschätzt.“ Und obwohl Weckamine, da sie Aufputschmittel sind, die Ausführung einfacher Arbeiten zu verbessern scheinen, „verbessern sie nicht die Ausführung schwieriger Arbeiten“, wie die gleiche Zeitschrift erklärte.
Anscheinend ist es so, dass der Drogenkonsument denkt, er sei besser denn je zuvor, obwohl dies gar nicht der Fall ist. Man muss sich mit der Tatsache abfinden, dass keine Droge imstande ist, auf wunderbare Weise ein Talent oder eine Fähigkeit zu entwickeln, die einfach nicht da ist.
 

 

Echte Sorgen machen sich heute Ärzte und Eltern über die Auswirkungen von Drogen auf das Kind im Mutterleib. Das Baby erhält seine Nahrung durch das Blut der Mutter. All das, was eine werdende Mutter isst, trinkt oder sonst wie in ihren Körper aufnimmt, gelangt schließlich in den Körper des Babys.
Wer kann vergessen, welch schreckliche Auswirkungen es auf ungeborene Kinder hatte, dass Mütter das Schlafmittel Contergan nahmen? Kinder kamen mit missgestalteten Gliedern oder ohne Arme und Beine zur Welt. Es wird auch berichtet, dass das Baby einer drogensüchtigen Mutter oft mit Entziehungssymptomen zur Welt kam und das Baby einer Alkoholikerin als Alkoholiker. Man vermutet nun, dass auch Tranquilizer eine Gefahr für das Kind im Mutterleib sind.
Kein Wunder, dass Schwangere und Frauen, die ein Kind haben möchten, immer mehr vor den Risiken gewarnt werden, die Drogen, Tabak, ja sogar Schmerztabletten, Tee und Kaffee mit sich bringen. Dr. Conrad Schwarz, Leiter der psychiatrischen Abteilung des St.-Pauls-Krankenhauses in Vancouver, sagte, wissenschaftliche Untersuchungen hätten ergeben, dass „bei Schwangerschaften der aktive Bestandteil des Marihuanas durch die Plazenta in den Fetus gelangt“ und dass „der Bestandteil auch in der Muttermilch enthalten ist“.
Rechne dazu die schädlichen Folgen für Nieren, Gehirn und Leber, die durch Barbituratmissbrauch und das Einatmen der Dämpfe verschiedener Lösungsmittel bewirkt werden. Welch einen schlechten Start ins Leben geben Mütter doch ihren Kindern, wenn sie Drogen nehmen!
Wer mit einer bestimmten Droge anfängt, wird mit ziemlicher Sicherheit später auch andere Drogen nehmen. Nicht selten findet man, dass Heroinfixer auch Marihuana rauchen, dass einige, die Weckamine nehmen, um sich aufzuputschen, später ein Beruhigungsmittel nehmen, zum Beispiel Tranquilizer oder Alkohol. Welches Risiko damit verbunden ist, diese Drogen zu mischen, zeigt folgende Erklärung:
Die Wirkung, die man mit einer Droge erzielen möchte, zum Beispiel mit einem Beruhigungsmittel wie einem Tranquilizer, kann durch ein etwa zur gleichen Zeit eingenommenes Aufputschmittel aufgehoben werden. Wenn jemand beispielsweise sechs oder mehr Tassen koffeinhaltigen Kaffee trinkt, wird der „Nutzen“ eines Tranquilizers zunichte gemacht. Nimmt man dagegen zwei Drogen von der gleichen Art, zum Beispiel zwei Beruhigungsmittel oder zwei Aufputschmittel, so wird ihre Wirkung verstärkt — aber sie wird nicht einfach verdoppelt. Und hier liegt eine echte Gefahr. Es heißt, dass ein Glas Alkohol mit einem Barbiturat die Wirkung von fünf oder sechs Gläsern Alkohol haben kann. Oder, wie es in der Schrift eines Gesundheitsamtes ausgedrückt wurde: „Jemand, der 70 Kilo wiegt, wird wahrscheinlich nach sieben Drinks betrunken sein. Hat er dazu eine Tablette oder eine Hustenmedizin genommen, kann er bewusstlos werden. Hat er dazu ein Barbiturat genommen, so wird er möglicherweise auf der Unfallstation oder sogar im Leichenhaus landen.“
 
Was ist nun von denen zu sagen, die nicht drogensüchtig sind, sondern lediglich das nehmen, „was der Doktor verordnet hat“? Auch sie müssen vorsichtig sein und sich informieren. Vielleicht nimmst du Tranquilizer, oder vielleicht hast du in der Apotheke eine Hustenmedizin gekauft. Wenn du eines dieser Mittel nimmst und dann ein Glas Bier trinkst, dann ist die Wirkung so, als hättest du drei oder vier Gläser Bier getrunken. Wer Medikamente für den Blutdruck, fürs Herz, Diabetes, Epilepsie oder Allergien nimmt, sollte stets seinen Arzt oder seinen Apotheker fragen, ob sich diese Medikamente zusammen mit Kaffee oder Tee oder alkoholischen Getränken schädlich auswirken. Sage deinem Arzt oder deinem Apotheker auch, welche anderen Medikamente du schon nimmst, wenn dir ein neues Mittel verschrieben wird oder du ein anderes Mittel kaufst. Sieh dich vor, dass du nicht eines Tages in eine Statistik für Sterbefälle aufgrund falsch eingenommener Medikamente eingehst!
Drogen verändern Körperfunktionen, die zur Erhaltung des Lebens notwendig sind. Jeder Eingriff in die chemischen Abläufe des Körpers kann gefährlich oder sogar tödlich sein. Drogen werden in deinem Organismus ein Ungleichgewicht herbeiführen. Bei einer sorgfältigen, vom Arzt verordneten Anwendung als Heilmittel können sie sich nützlich auswirken, indem sie ein vorhandenes chemisches Ungleichgewicht ausgleichen. Doch wer mit Drogen zu nichtmedizinischen Zwecken experimentiert, spielt mit seinem Leben russisches Roulette. Und er gefährdet am Arbeitsplatz oder im Straßenverkehr das Leben anderer. Werdende Mütter gefährden sogar das Leben unschuldiger Babys. Ist das Nächstenliebe? Gibt es wirklich einen berechtigten Grund für den heute gewaltig zunehmenden Drogenmissbrauch?
 

Ein Gramm LSD würde ausreichen, um 10 000 Menschen in einen Rausch zu versetzen.
Wer Marihuana nimmt, gilt als eine Gefahr im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz.
Kokain vermittelt oft das „trügerische Gefühl gesteigerter intellektueller und physischer Fähigkeiten“.
Ein Glas Alkohol mit einem Barbiturat kann die Wirkung von fünf oder sechs Gläsern Alkohol haben.
Wer mit Drogen zu nichtmedizinischen Zwecken experimentiert, spielt mit seinem Leben russisches Roulette.

Drogen - gefährlich und tödlich

 
 

 

Heute sprechen sich einige für die Legalisierung von Drogen aus. Sie betrachten dies als Lösung für das Dilemma in Verbindung mit dem illegalen Drogenhandel. Andere sind der Ansicht, „gelegentlich“ Drogen zu nehmen sei eine private und individuelle Angelegenheit und ein harmloser Zeitvertreib. Ist der Gebrauch illegaler Drogen aber wirklich, wie manche behaupten, ein „Verbrechen ohne Opfer“?

Man beachte folgendes:

• Die 26jährige Natasha Ashley, achteinhalb Monate schwanger, unterhielt sich in einem Stadtteil von New York namens Little Italy auf dem Bürgersteig mit einer Freundin. Plötzlich fuhr ein Auto über den Bordstein und erfasste beide Frauen. Natasha Ashleys linkes Bein wurde gegen einen Laternenpfahl gepresst, und ihr Unterschenkel zersplitterte. Auch ihre Freundin wurde verletzt; sie brach sich ein Bein. Wie die Polizei feststellte, war der Fahrer aufgrund von Drogeneinwirkung wie weggetreten; er hielt die Spritze immer noch in der Hand. „Es sah aus, als hätte er sich beim Fahren eine Überdosis verabreicht“, sagte der Sanitäter, der die Verletzten versorgte.

• Michael Perkins ist im Alter von nur 12 Jahren gestorben — er kam bei einem Brand um, durch den das Apartmenthaus, in dem er wohnte, zerstört wurde. Nach Auskunft der Polizei hatten Dealer den Brand gelegt, nachdem sich sein Vater über den Drogenhandel in dem Haus beschwert hatte.

• Rosa Urena ist weder in diesem Frühherbst auf das College gegangen, noch wird sie nächstes Jahr heiraten, wie sie geplant hatte. Sie wurde tödlich verwundet, während sie schlief. Eine verirrte Kugel, die die Fensterscheibe und das Kopfende ihres Bettes durchschlug, drang ihr in den Kopf. Drogenhändler hatten wegen Revierstreitigkeiten das Gebäude mit Kugeln durchlöchert.

• Ein 17jähriger Crack-Süchtiger machte eine Einbruchtour, um seine Sucht zu finanzieren. Als er acht Tage später gefasst wurde, hatte er fünf Menschen getötet und sechs weitere verletzt. „Alle Opfer waren friedliche Berufstätige“, sagte der leitende Kriminalbeamte.

Dies sind nur einige der vielen Vorfälle in Verbindung mit Drogen, zu denen es dieses Jahr in einer einzigen Stadt gekommen ist. Und sie nehmen in alarmierendem Ausmaß zu. Wie sicher würdest du dich im Straßenverkehr fühlen, wenn du wüsstest, dass ein gewisser Prozentsatz der anderen Fahrer Drogen genommen hat, die das Urteilsvermögen und die Reflexe beeinträchtigen? Würdest du beruhigt einen Bus, ein Flugzeug oder einen Zug besteigen, wenn du wüsstest, dass das für die Sicherheit zuständige Personal unter Drogeneinwirkung steht? „Es hat bereits Fälle gegeben, in denen süchtige Piloten, Bahnangestellte, Bus- und Lkw-Fahrer, Firmendirektoren, Ärzte, Lehrer und andere Personen in verantwortlichen Stellungen gefährliche Situationen heraufbeschworen haben, weil sie während der Dienstzeit Drogen nahmen“, hieß es in dem Magazin Manchester Guardian Weekly.

Bei Nachforschungen in Verbindung mit einem Zusammenstoß von Nahverkehrszügen, der sich kürzlich in Mount Vernon (New York) ereignete und der Menschenleben kostete, stellte sich heraus, dass alle fünf Personen, die für die Zugverkehrsüberwachung verantwortlich waren, Drogen genommen hatten. John H. Riley, Verwaltungsbeamter der staatlichen Eisenbahn, sagte: „Wir haben errechnet, dass es im Laufe der vergangenen 16 Monate durchschnittlich alle 10 Tage zu einem größeren Zugunglück kam, bei dem Alkohol- oder Drogeneinfluss nachgewiesen wurde. Insgesamt wurden dabei über 375 Menschen verletzt oder getötet. Unter den in den letzten zwei Jahren überprüften Zugunglücken gelangte man bei jedem fünften Unfall zu drogenpositiven Ergebnissen, und 65 Prozent der Todesfälle sind auf Unfälle zurückzuführen, bei denen einer oder mehrere vom Personal unter Alkohol- oder Drogeneinwirkung standen.“
 
 

 

Drogen und Kriminalität
Man muss sich nicht in einem Verkehrsmittel befinden, um ein Opfer der Drogenszene zu werden. Oft werden Leute, die sich in ihrer Wohnung oder auf der Straße aufhalten, in Mitleidenschaft gezogen. Von der Notwendigkeit angetrieben, ihre kostspielige Gewohnheit zu finanzieren, nehmen viele Drogenabhängige zu Kriminalität Zuflucht — sie begehen Diebstähle, Überfälle oder Einbrüche. „Wie eine Studie des Justizministeriums unlängst zeigte, haben Tests bei Straftätern ergeben, dass in einigen Städten erstaunlicherweise 79 Prozent Drogen nahmen“, berichtet U.S.News & World Report. Dann sind da die häufigen Schießereien zwischen rivalisierenden Drogenbanden und die Vergeltungsmaßnahmen gegen Zahlungsunfähige. Oft geraten Unbeteiligte in diese Konfrontationen. „Wenn sich der Gesuchte zufällig unter einer Gruppe von vier oder fünf anderen befindet“, sagte ein Beamter, „haben die vier oder fünf anderen Pech.“ In Washington, der Bundeshauptstadt der USA, kam es 1987 zu 228 Morden — bei 57 Prozent war Rauschgift im Spiel.

Die Stadt New York hatte 1691 Morde zu verzeichnen, durchschnittlich 4 am Tag. Bei über 38 Prozent davon waren Drogen im Spiel. „Die Feuerwehr von Oakland [Kalifornien, USA] führt mehr als 180 Fälle von Brandstiftung, die sich vergangenes Jahr in der Stadt ereigneten, auf Kämpfe zwischen Drogenbanden zurück sowie auf Repressalien gegen zögernd zahlende Kunden oder Bewohner, die sich öffentlich über den ausgedehnten Handel mit Crack, einer hochwirksamen Form von Kokain, beschwert haben“, schreibt die New York Times. Die Gesellschaft als Ganzes verspürt die Auswirkungen des Drogenmissbrauchs — zunehmende Kriminalität und Gewalt, verringerte wirtschaftliche Produktivität, tragische Unfälle, Korruption unter Beamten und die damit verbundenen hohen Kosten. Doch es sind die Drogenabhängigen selbst, die den höchsten Preis zahlen. Wieso?

Die Gefahren für die Abhängigen
„Drogenmissbrauch ist schädlich. Er kann den Verstand und den Körper ruinieren. Kurz gesagt: Drogenmissbrauch ist eine Dummheit.“ So drückte es Malcolm Lawrence aus, ehemals Sonderbeauftragter des US-Außenministers für die internationale Rauschgiftbekämpfung. Wie steht es aber mit denjenigen, die behaupten, sie seien nicht abhängig und könnten jederzeit aufhören? „Ich kenne Leute, die mehrmals Crack nahmen und dann nie wieder dazu griffen“, sagte ein Schüler. „Bestimmt nicht jeder Jugendliche, der von einem Joint high ist oder eine Flasche Schnaps ausleert, landet so tief wie ich“, sagte Ken Barun, ein ehemaliger Süchtiger, der im Alter von 16 Jahren mit Marihuana anfing und dann zu Tabletten, Halluzinogenen, Heroin und Kokain überging und nicht damit rechnete, seinen 25. Geburtstag zu erleben. Aber viele werden abhängig, und niemand kann vorhersagen, wen es trifft, bis es zu spät ist.

Ein Problem ist die entkräftende Wirkung der Drogen. Kokain zum Beispiel, eine der Drogen, die gegenwärtig bevorzugt genommen werden, verleiht einem anfänglich das Gefühl, stärker, munterer und selbstbewusster zu sein und das Leben besser meistern zu können. Das Gefühl ist so angenehm, dass man es immer wieder probieren möchte. Doch dann beginnt man, sich ohne die Droge schlecht zu fühlen — gereizt, verwirrt, ängstlich und deprimiert.

Man braucht mehr. Durch den wiederholten Gebrauch kann es aber zur Abhängigkeit und zu vielen Problemen kommen, darunter Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Psychosen. Forscher haben festgestellt, dass Kokainmissbrauch bleibende Herzschäden sowie Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen kann. Len Bias, ein Basketballstar der Vereinigten Staaten, der 1986 im Alter von 22 Jahren an einem durch Kokain hervorgerufenen Herzinfarkt starb, soll die Droge nur einmal genommen haben. Crack, ein Derivat von Kokain, ist noch schlimmer. „Crack ist besonders gefährlich, weil diese Droge ein äußerst hohes Suchtpotential in sich birgt und ernste physische und psychische Beschwerden verursachen kann“, schreibt die Zeitschrift Medical Aspects of Human Sexuality. Da die Droge billig und leicht erhältlich ist, findet sie hauptsächlich unter Jugendlichen Anklang. Es hat Crack-Abhängige gegeben, die ihre Eltern ermordeten und Selbstmord begingen. „Todesfälle und Notaufnahmen in Krankenhäusern zufolge von Kokainmissbrauch haben von 1983 bis 1986 bedeutend zugenommen“, hieß es in einem Sonderbericht vom Präsidenten des US-Rechnungshofes. Die Statistiken, die von DAWN (Drogenwarnnetz) aufgrund der Angaben von Krankenhäusern und Leichenbeschauern zusammengestellt wurden, ergaben eine 167prozentige Zunahme der Notaufnahmen und eine 124prozentige Zunahme der Todesfälle in diesem Zeitraum zufolge des Missbrauchs dieser Droge.

Tragische Folgen für Kinder
Eine der tragischsten Folgen des Drogenmissbrauchs ist die Auswirkung auf Kinder. „Die Geschichte der Kindesmisshandlung und -verwahrlosung in New York (1987) ist die Geschichte einer explosionsartigen Zunahme des Drogenmissbrauchs“, hieß es in einem Bericht (Internal Fatality Review Panel of the Human Resources Administration). Es wurden 46.713 Fälle von Kindesmisshandlung und -verwahrlosung verzeichnet, und 103 der Kinder starben. Während des Haushaltsjahres 1987 wurden in der Stadt außerdem über 2500 Kinder mit Entzugserscheinungen geboren. Zufolge von Kokainmissbrauch kommen zudem viele Babys frühzeitig und mit niedrigem Geburtsgewicht zur Welt, da die Droge den Blutfluss zur Plazenta und somit die Versorgung des Fetus mit Sauerstoff und Nährstoffen vermindert. Es werden auch Babys mit dem gefürchteten Aidsvirus geboren, das durch intravenösen Drogenmissbrauch übertragen und von der Mutter an den Fetus weitergegeben wird. Ende dieses Jahres werden allein in New York etwa 1000 mit dem Aidsvirus infizierte Babys geboren worden sein. „Wir stehen erst am Anfang der Katastrophe“, sagte Dr. Leonard Glass, Leiter der Säuglingsstation im Kings County Hospital Center. In diesem Brooklyner Krankenhaus sterben monatlich mindestens drei Babys an Aids. Angesichts dieser gefährlichen, ja tödlichen Folgen des Drogenmissbrauchs sollte man meinen, die Welt würde im Kampf gegen den Drogenhandel alles aufbieten und ihn unterbinden. Warum nimmt er aber zu? Besteht Hoffnung auf Abhilfe?

 
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